Trachten Greif

Tracht & Tradition – Bachmair Weissach im Gespräch mit Alexandra Keil

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Tracht und Tradition ist für mich kein Werbeversprechen, sondern eine Philosophie, die mich schon seit meinen Kindertagen zwischen Stoffballen unter der Ladenbudel begleitet. Die Tracht ist schon so oft scheinbar neu inspiriert worden und doch ist eine Harmonie zwischen Neuerfindung und wirklicher Tradition oftmals eine Gratwanderung.

Mit dieser Harmonie beschäftige ich mich fast täglich: Themen, wie die so häufig diskutierte perfekte Rocklänge und das perfekt sitzende Dirndlschleifchen spielen dabei für mich keine entscheidende Rolle. Vielmehr möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in meine Ideen, meinen Anspruch, aber auch meine Demut gegenüber der faszinierenden Welt der Tracht geben: Die Tracht soll weder verkleiden noch kostümieren. Für mich ist sie ein Stück Heimat, das mit Selbstverständlichkeit von jedem getragen werden soll, der Freude daran hat. Natürlich dient sie gerade in der heutigen Zeit besonderen Anlässen. Wie wunderbar ist es, wenn man sich wieder individuelle Gedanken zu dem Kleidungsstück macht, das man anzieht. Welche Schürzenfarbe wohl am Passendsten ist, die Wahl der Dirndlbluse und des perfekten Schuhs zum Gewand, welcher Ausschnitt einem am besten stehen könnte. Die Herren stehen dem in Nichts nach. Man kauft und entscheidet bewusst. Gedanken die, wie wie ich finde den Zeitgeist treffen. Es ist eben nicht nur ein Stück Stoff, sondern vielleicht sogar ein Lieblingsstück fürs Leben.

Mit unserer HAUSLINIE und auch in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Firma Tostmann Trachten versuchen wir durch unterschiedlichste Stoffe, Farben und Kombinationsmöglichkeiten für jede Frau das Passende im Greifkleiderschrank zu haben, um sie zum Strahlen zu bringen. Produziert wird unsere hauseigene Kollektion in Niederbayern nach eigenen Schnittvorlagen aus unserem zum Teil über Jahrhundert alten Fundus. Hierbei legen wir besonderen Wert auf Transparenz und Nachhaltigkeit in der Herstellung und Verarbeitung.

Natürlich bedient das Thema Tracht unwillkürlich auch weibliche und männliche Klischees, genau so wie es die Mode schon immer getan hat. So bringt man mit den strammen Wadln, die man braucht dass der Strumpf hält und den kurzen Lederhosen die im 19. Jahrhundert vorwiegend von Bauernburschen, Tagelöhner und Holzknechten getragen wurde, ganz klar männliche Attribute in Verbindung. Wie auch Dirndlausschnitt und Silhouette mit weiblichen Vorzügen kokettiert.

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Sie ist gleichzeitig anmutig und stolz, keinesfalls billig. Ganz im Gegenteil: Tracht verbindet. Die Moderne mit der Gegenwart, die unterschiedlichsten Menschen auf den buntesten Festen miteinander, Mode und Brauchtum, Handwerk und Tradition.

Tracht spielt für uns am Tegernsee eine große Rolle bei dem Erhalt von Brauchtum und Vereinskultur. Dort wird sie gepflegt und gelebt. Für mich verkörpert die Tracht eher etwas Ungezwunges und Individuelles. Ich fühle mich zu Hause und wohl in meinen Dirndln, jedes hat seine Geschichte und es ist immer noch etwas ganz Besonderes wenn ich mir zum ersten Wiesnsamstag ein Neues anfertigen lassen darf. Ich lebe und liebe das Handwerk und die Verarbeitung und verliere mich gerne im Detail. Für mich unterliegt Tracht viel weniger einem strengen Regelwerk als den Ansprüchen von Ästhetik, Linienführung und Qualität. So finde ich es einfach schöner, wenn der Rock knieumspielend oder länger ist, weil die Proportionen harmonischer wirken. Oftmals ist weniger mehr. Ist der Stoff auffällig und besonders, halte ich mich mit Verzierungen und Posamenten zurück. Auf der anderen Seite verträgt ein unifarbenes Leinen schon mal eine Borte und ein „Kittelblech“ am Rocksaum.

Bei dem Herrenhemd habe ich das Thema Karo nie ganz verstanden, so freue mich mehr und mehr über Streifen und Unis. So hat ein jeder seinen Gusto. Für mich persönlich ist das Schönste, dass wir für jeden einzelnen Typen und Charakter das Passende finden können. Farben, Stoffe und Schnitte, die die Persönlichkeit unterstreichen. Denn kein Dirndl und keine Lederhose ist gleich: Lebendig wird die Tracht erst, wenn sie getragen wird.

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“Sie ist gleichzeitig anmutig und stolz, keinesfalls billig. Ganz im Gegenteil: Tracht verbindet.”